Die Schneekönigin - von Hans Christian Andersen im Jungen Theater Bonn/Metropol Kuppelsaal - kultur Nr. 198 - Januar 2026

Die Schneekönigin steht in silbernem Gewand, Krone und ausgestrecktem Arm in der Mitte.
Foto: Junges Theater Bonn
Die Schneekönigin steht in silbernem Gewand, Krone und ausgestrecktem Arm in der Mitte.
Foto: Junges Theater Bonn

Nicht nur ein Wintermärchen
Ein Mädchen hockt einsam und unglücklich am Bühnenrand. Doch dann kommen zwei fröhliche junge Leute herein mit einem bunten Fahrrad und
einem Lastenanhänger.

Flugs ist ein Theaterzelt aufgebaut für eine Probe zu "Die Schneekönigin". „Spiel einfach mit!“, fordern die beiden das fremde Mädchen auf. Aus der melancholischen Lena wird also die mutige Gerda,
und schon beginnt die Geschichte von den zwei Nachbarskindern, deren Freundschaft stärker ist als Eis und Schnee. „Schaut nur zu, was wir erzählen“, ermuntern sie das Publikum.
Aus der scheinbar zufälligen Begegnung entwickelt sich rasch ein berührendes Theaterstück.
Die drei jungen Profischauspieler – alle als Gäste engagiert – erscheinen wie heutige Jugendliche, die in einer zeitlosen Fantasy-Story sich selbst und ihre Gefühle neu entdecken.
Andreas Lachnit, der seit langem regelmäßig am JTB tätig ist, hat Hans Christian Andersens bekanntes Märchen erfrischend neu für die Bühne bearbeitet und auch die Liedtexte verfasst. Die Erzählung hat er deutlich entschlackt und
entromantisiert, ohne ihren poetischen Zauber aufzugeben. Seine spielerisch witzige Inszenierung setzt nicht auf Illusionen wie die zahlreichen Verfilmungen des Stoffs, sondern stellt die Theatermittel heraus, mit denen
auf der intimen JTB-Studiobühne die Handlung lebendig wird. Die Ausstattung von Laurentiu Tuturuga (Bühne und Kostüme), ebenfalls regelmäßig am JTB engagiert, lässt viel Spielraum für Fantasie bei der abenteuerlichen
Reise ins frostige Nordland. Franziska Bittner, die bereits in mehreren JTB-Produktionen mitwirkte und mittlerweile ein Theaterstudium begonnen hat, verkörpert überzeugend die tapfere Gerda, die sich unbeirrt auf die Suche nach ihrem verschollenen
Freud Kay begibt. Vanessa Stoll, die 2021 am JTB als Sophie Scholl in "Die weiße Rose" debütierte, spielt die Großmutter, die mit dem alten Märchen vom bösen Zauber eines zerbrochenen Spiegels das Geschehen in Gang setzt. Sie ist mit silbriger Halskrause und glitzerndem Kopfschmuck auch die Schneekönigin, die Kay mit ihrem eisigen Charme magisch anzieht.
Außerdem mimt sie in schnellen Verwandlungen auch die anderen Figuren, denen Gerda auf ihrer Reise begegnet: die Zauberin mit Blumenhut, die Gerda in ihrem Garten die Zeit vergessen lässt, das Eskimomädchen, das auf einem Skateboard übers Eismeer paddelt, die freche Räubertochter und die gutmütige Lappenfrau.
Moritz Reinisch, der schon in etlichen Bühnen- und TV-Produktionen mitwirkte, debütiert am JTB in der Rolle des naiven munteren Kay. Ein Splitter des magischen Spiegels lässt sein Herz gefrieren. Er landet im Reich der Schneekönigin,
wo er sich nur noch mechanisch an Zahlen klammert und verzweifelt versucht, aus den Spiegelbruchstücken die Ewigkeit zu rekonstruieren. Mit hoher Stimme und virtuoser Komik spielt er zudem die lustige Krähe Bastian, die sich gern wie ein Popstar
aufführt, oft aufgeregt herumflattert, aber vor allem als Gerdas treue Begleiterin fungiert. Die eingängige, unaufdringliche Musik dazu hat der 19-jährige Bonner Justus Cremer komponiert, der 2022 Finalist in der TV-Musikshow
„Dein Song“ war. So bleibt nach einer vergnüglichen Stunde die herzwärmende Einsicht: Freundschaft und Liebe können alle Kälte der Welt überwinden. Ganz ohne falsche Sentimentalität, denn es ist ja Theater.
Und so singen sie alle: „Manchmal wird das Leben viel leichter, wenn man mit guten Freunden nur ein bisschen darin spielt.“ Eine Vorstellung für alle Jahreszeiten.
Herzlicher Premierenbeifall. Empfohlen für Publikum ab 5 Jahren.

Montag, 13.04.2026

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Letzte Aktualisierung: 08.05.2026 21:01 Uhr     © 2026 Theatergemeinde BONN | Bonner Talweg 10 | 53113 Bonn