Seasons – Ein artistisches Jahrvon Flip Fabrique und Maxime Perron im GOP Varieté-Theater Bonn- kultur Nr. 199 - März 2026

Die Künstler*innen sitzen vergnügt in ihrem Dachboden, während eine kopfüber auf den Köpfen turnt.
Foto: GOP Variete Theater
Die Künstler*innen sitzen vergnügt in ihrem Dachboden, während eine kopfüber auf den Köpfen turnt.
Foto: GOP Variete Theater

Mit Schwung durch die vier Jahreszeiten
Eine Runde auf dem Dachboden zu stöbern, ist immer wieder ein schöner Ausgangspunkt für eine Reise in die eigene Vergangenheit.

Man stößt auf Spielzeug aus der Kindheit, Gegenstände, von denen man sich nicht ganz trennen konnte, Fotoalben, die Familie und Freunde bei gemeinsamen Erlebnissen
zeigen ... und dann gibt es die Requisiten des Alltags, die jedes Jahr für eine Weile genutzt werden, um dann wieder auf dem Dachboden zu schlummern bis zur gleichen Zeit im nächsten Jahr. Den Erinnerungen und den „Saison-Gegenständen” – vom Karnevalskostüm über die Luftmatratze und die Laterne bis zur Weihnachtsdekoration – hat das GOP mit Seasons eine poetischartistische Show gewidmet.
Die Produktion entstand unter der Regie von Maxime Perron gemeinsam mit der kanadischen Zirkus-Compagnie Flip Fabrique mit Sitz in Quebec.
Marianne Lebel hat ein Bühnenbild geschaffen, das einen liebevoll mit Requisiten ausgestatteten Dachboden zeigt, vom Weihnachtsbaum bis zum Camping-Klappstuhl. Die stabile HolzInstallation auf Rollen ist mit Leitern ausgestattet und wird vom Ensemble nicht nur von innen, sondern auch von allen Seiten und auf dem Dach bespielt und immer wieder verschoben und gedreht, wobei sich auch die Rückseite mit einer Efeu bewachsenen Hausmauer zeigt.
In einer großen Überseekiste rollt das neunköpfige Ensemble zu Beginn der Show auf die Bühne und stellt sich dem Publikum in einer temporeichen Tanz- und Akrobatiknummer mit HipHop-Elementen vor. Schwungvoll beginnt die Reise durch das „artistische Jahr” (so der Untertitel der Show), bei der die Artist:innen in Solo, Duo, Trio- und Ensemble-Auftritten eindrucksvoll ihre vielseitige Kunst präsentieren.
Babou Sanna, Louis Chardin und Rémi Orset vertreiben den Winter mit einem originellen Auftritt, bei dem sie Keulen-Jonglage und Bodenakrobatik verbinden. Valérie Bedard präsentiert Hula Hoop vielseitig und wie von einem wechselhaften April-Wetter
in Schwung gebracht. Kunst mit Reifen zeigt auch Carl Turner, allerdings als „Hoop Diving” mit Sprüngen durch einen in einem Gestell montierten Reifen – atemberaubend und an Zirkusdarbietungen vergangener Jahrzehnte mit Tigern erinnernd.
Turner gelingt es sogar, auf einem Skateboard durch seinen Reifen zu springen – und damit hinein in den Frühsommer. Lautes Vogelgezwitscher ertönt nämlich zur Solo-Nummer von Amélie Granger. Ähnlich einer Slackline hat sie ihr Drahtseil in Bodennähe gespannt, auf dem sie mit einem Paddel in der Hand tanzt, während aus einem alten Radio am Bühnenrand „Endlich ist Summertime” ertönt.
Im Sommer darf Strandleben natürlich nicht fehlen: Das Ensemble zeigt in Hawaii-Hemden zu „Copacabana” eine Tanznummer mit roten Wasserbällen – bis hinauf auf das Dach des Dachbodens, das auch an einen Schwimmbad-Sprungturm zu erinnern
vermag. Die Clownin Raphaëlle Pépin unterstreicht das Summer Feeling mit einem Auftritt im Surfanzug. Sie begleitet die gesamte Show mit kleinen komödiantischen Zwischenauftritten, bevor sie auch mit Schwimmflossen an den Füßen am Trapez ihr Können unter
Beweis stellt – ein fröhlich-sympathisches Multitalent! Den Übergang zum Herbst symbolisiert das Ensemble mit der vielseitigsten Seil-Sprung-Nummer, die auf der Bühne des Bonner GOP wohl je geboten wurde – mit luftigen Sprüngen mit einer Vielzahl von Seilen und Variationen bis zum Horizont zu „99 Luftballons”. Bunte Blätter fallen vom Bühnenhimmel während Ania Lewandowska am dunkelroten Vertikaltuch poetisch den Herbst mit seinem Wechselspiel von Melancholie und Vorfreude auf die Weihnachtszeit zum Ausdruck
bringt. Fröhliches herbstliches Treiben (von einer Blätter-Projektion untermalt) mit artistischer Perfektion zeigen Babou Sanna und Rémi Orset mit einem gemeinsamen Auftritt auf dem Einrad ebenso wie Amélie Granger und Carl Turner als Duo an den Strapaten – wobei sie herüberschwingen in die letzte Jahreszeit, den Winter. Winterlichen Stromausfällen weiß das Ensemble auf dem Dachboden mit Taschenlampen zu trotzen. Louis Chardin zeigt eine schwungvolle Jonglage mit Hüten, untermalt von kräftigem
Bühnennebel. Wie eine tanzende Schneeflocke dreht sich Ania Lewandowska mit dem Cyr-Reifen, bevor zum Finale das gesamte Ensemble in dicker Winterkleidung sich eine Schneeballschlacht mit Schaumstoffbällen liefert und zu Vivaldis „Sturm” aus den „Vier Jahreszeiten” vom Dach des Hauses auf ein Trampolin springt und das Jahr fröhlich ausschwingen lässt.
Bis Mitte April haben Sie noch die Chance, auf diese stimmungsvolle und artistisch faszinierende Zeitreise durch das Jahr zu gehen!

Montag, 20.04.2026

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Letzte Aktualisierung: 06.05.2026 15:01 Uhr     © 2026 Theatergemeinde BONN | Bonner Talweg 10 | 53113 Bonn