Don Chaos - Deutschsprachige Erstaufführung von Francis Veber im Contra-Kreis-Theater - kultur Nr. 201 - Mai 2026

Ensemble Don Chaos: Porträts Marko Pustišek, Barbara Maria Sava, Madeleine Niesche, Herbert Schäfer
Foto: Contra-Kreis-Theater
Ensemble Don Chaos: Porträts Marko Pustišek, Barbara Maria Sava, Madeleine Niesche, Herbert Schäfer
Foto: Contra-Kreis-Theater

Rau, aber herzlich
Die Lehrerin Christine hat’s nicht leicht.

Ihr Mann, der Journalist Eric, liegt mit Depressionen im Bett, ist zu kaum einem Wort zu bewegen und schlurft bestenfalls mal teilnahmslos in Pyjama und Adiletten (Kostüme: Anja Saafan) und durch die Wohnung. Ihr Bruder Pierre, ein ziemlich ruppiger Polizist, ist wegen gewalttätiger Übergriffe angeklagt und wird möglicherweise seinen Job verlieren. Da prallen nicht nur soziale Welten aufeinander, die Sache kippt auch noch so, dass plötzlich Pierre hilfsbedürftig wird und Eric aus seiner Lethargie erwacht.
Der bekannte französische Komödienautor Francis Veber (u. a. Dinner für Spinner) feierte mit seiner 2022 in Paris uraufgeführten Farce Le Tourbillon einen großen Erfolg. Am Contra-Kreis kam nun die deutschsprachige Erstaufführung – in der Übersetzung des Kabarettisten Dieter Hallervorden – unter dem vielversprechenden Titel "Don Chaos" heraus. Inszeniert von Marko Pustišek, der selbst auch den Pierre spielt.
Auf der Bühne erscheint er als alerter Super-Macho ganz in Schwarz mit Dienstpistole unter der Lederjacke und „I’m Too Sexy“ von „Right Said Fred“ als Klingelton auf dem Handy. Dass ausgerechnet dieser reaktionäre Typ aus dem Bilderbuch toxischer Männlichkeit den armen Eric wieder auf Trab bringt, ist schon ein Witz für sich. Immerhin hat Pierre ein paar Sätze Freud gelesen, trifft mit „Begehrst du deine Mutter?“ zwar voll daneben, kommt aber mit „Alles nur eine Frage der Eier“ klar zur Sache. In dieser Komödie geht es schließlich nicht um scharfsinnige Pointen, der Humor ist reichlich robust. Der gebürtige Bonner Herbert Schäfer, der als Eric sein Debüt am Contra-Kreis gibt, spielt den psychisch angeknacksten Softi mit Weltschmerzblick. Nach Pierres eigenwilliger Therapie lebt er jedoch wieder auf und kann sogar hübsch giftig werden, wenn sein Schwager sich in der Wohnung einquartiert und selbstmitleidig in tiefe Depressionen verfällt. Der Verlust seines phallischen Schießeisens käme ja fast einer Kastration gleich.
Dummerweise hat ihn auch noch seine als Friseurin tätige Frau Sophie verlassen, die er gern mit einem lauten „Schnauze!“ zum Schweigen bringt.
Barbara Maria Sava erscheint wie ein personifizierter Blondinenwitz, nimmt alles wörtlich und kapiert wenig. Sie hat sich sogar der Me-Too-Bewegung angeschlossen („Das ist Englisch und bedeutet: Du mich auch“). Immerhin bringt sie Farbe ins Spiel, auch wenn das erste blaue Auge nur von einem Selbstverteidigungstraining mit ihrem Pierre herrührt. Die neue Liaison mit einer lesbischen Profiboxerin hinterlässt bald noch deutlichere Spuren. Die einzige Normale in dem zunehmenden Chaos ist die attraktive, intelligente Christine, großartig verkörpert von Madeleine Niesche. Unter reichlicher Zufuhr von Alkohol redet sie sich mit trockenem Humor ihre Welt halbwegs in Ordnung, kann aber auch mal entnervt ausflippen.
Es gibt viel zu lachen in dieser schwarzhumorigen Gesellschaftssatire. Wer derb-drastische Komik nicht scheut, wird seinen Spaß haben an dem flott inszenierten Chaos. Großer Premierenjubel für das tapfere Darstellerquartett.

Dienstag, 28.04.2026

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