Kölner Philharmonie

Philharmonischer Chor Köln

Nico Köhs
Foto: Ben Knabe
Nico Köhs
Foto: Ben Knabe

»Trauer & Trost«
Konzert - Schumann, Rheinberger & Mendelssohn Bartholdy

Theresa Klose, Sopran
Bettina Schaeffer, Alt
Maximilian Fieth, Tenor

Neues Rheinisches Kammerorchester Köln
Nico Köhs, Leitung


Robert Schumann (1810 - 1856)
Requiem op. 148
für Chor und Orchester

Robert Schumann gilt oft als typischer romantischer Künstler, der sich von spontanen Eingebungen leiten ließ. Tatsächlich verlief seine künstlerische Entwicklung jedoch erstaunlich planvoll. Schritt für Schritt arbeitete er sich durch die wichtigsten musikalischen Gattungen seiner Zeit: Zuerst schrieb er Klavierstücke, dann Lieder, später Sinfonien, Kammermusik und weltliche Oratorien. Erst in seinen letzten Jahren wandte er sich der Oper und schließlich der Kirchenmusik zu. Diese Entwicklung zeigt, wie systematisch Schumann seine kompositorischen Fähigkeiten erweiterte. Dass Schumann sich 1852 plötzlich der geistlichen Musik zuwandte, war für viele überraschend. Er war kein regelmäßiger Kirchgänger, und sein bisheriges Werk war fast vollständig weltlich geprägt. Dennoch entstanden in diesem Jahr zwei große kirchenmusikalische Werke: die Missa sacra und das Requiem op. 148. Manche Forscher sehen darin Schumanns Wunsch, in seinen letzten Jahren noch einmal besonders bedeutende Werke zu schaffen. Tatsächlich beschäftigte er sich um 1850 mit mehreren groß angelegten Projekten, etwa einem geplanten Luther-Oratorium, das politische und religiöse Fragen seiner Zeit aufgreifen sollte. Auch seine Szenen aus Goethes Faust zeigen, wie sehr ihn große, halb religiöse Themen beschäftigten. Mit der Missa und dem Requiem aber betrat er eindeutig das Gebiet der echten Kirchenmusik – und das mit lateinischen Texten der katholischen Liturgie. Ein wichtiger biographischer Hintergrund war Schumanns Umzug nach Düsseldorf im Jahr 1850. Dort arbeitete er als Musikdirektor und war verpflichtet, regelmäßig große Werke in katholischen Kirchen aufzuführen. Die rheinische Umgebung, die katholische Tradition und die intensive Beschäftigung mit Bachs Kirchenmusik wirkten inspirierend auf ihn. Gleichzeitig geriet Schumann in Düsseldorf zunehmend in persönliche und berufliche Schwierigkeiten, die bereits Vorboten seiner späteren Erkrankung waren. Gerade in dieser schwierigen Zeit schrieb er Missa und Requiem – vielleicht auch, um dem Publikum vor Ort entgegenzukommen. Zu seinen Lebzeiten wurden die Werke jedoch nicht vollständig aufgeführt. Erst nach Schumanns Tod sorgte Clara Schumann dafür, dass beide Werke veröffentlicht und schließlich uraufgeführt wurden. Schumann selbst hätte wohl nichts dagegen gehabt, wenn seine Musik im Gottesdienst erklungen wäre, doch vermutlich sah er den Konzertsaal als den angemesseneren Ort. Das Requiem op. 148 ist für Chor, vier Solisten und ein großes Orchester geschrieben. Der Chor trägt den Hauptteil, doch die Solisten erhalten wichtige, oft sehr ausdrucksvolle Aufgaben. Schumann zeigt im Chorsatz große Fantasie und handwerkliche Meisterschaft, besonders in den kunstvollen Fugen, die mehrere Sätze prägen. Auch im Umgang mit dem liturgischen Text nimmt er sich Freiheiten, ordnet Teile neu und verbindet sie zu einer eigenen neunsätzigen Form. So entsteht ein Werk, das zugleich traditionell und sehr persönlich wirkt – ein stilles, ernstes und tief empfundenes Requiem aus Schumanns Spätzeit.
(Spieldauer: ca. 35 - 40 Min.)

Josef Gabriel Rheinberger (1839 - 1901)
Stabat mater g-Moll op. 138
für gemischten Chor

Josef Rheinberger, 1839 in Liechtenstein geboren und später als Komponist, Organist und Lehrer in München tätig, zählt zu den bedeutendsten Kirchenmusikern des 19. Jahrhunderts. Er verband in seinem Schaffen klassische Formstrenge mit romantischer Ausdruckskraft und prägte als Professor an der Münchner Musikschule eine ganze Generation von Komponisten. Rheinberger war ein Meister der Vokalmusik und der Orgelkunst, und viele seiner geistlichen Werke gehören bis heute zum festen Repertoire kirchlicher Chöre. Das Stabat mater g-Moll op. 138 entstand 1884 und gehört zu Rheinbergers reiferen kirchenmusikalischen Kompositionen. Der Text des Stabat mater – ein mittelalterliches Gedicht über den Schmerz Marias unter dem Kreuz – wurde im 19. Jahrhundert häufig vertont, doch Rheinberger wählte einen eher kammermusikalischen, zurückgenommenen Ansatz. Sein Werk ist für vier Solostimmen, Chor und Orchester geschrieben, bleibt aber in der Klangsprache bewusst schlicht und konzentriert. Rheinberger wollte keine dramatische Leidensdarstellung schaffen, sondern eine innige, meditative Betrachtung des Textes, die sich eng an dessen spirituelle Stimmung anlehnt.
(Spieldauer: ca. 14 Min.)

Felix Mendelssohn Bartholdy (1809 - 1847)
Der 42. Psalm »Wie der Hirsch schreit« op. 42
für Soli, gemischten Chor, Orchester und Orgel

Felix Mendelssohn Bartholdy widmete der geistlichen Chormusik einen großen Teil seines Schaffens. Mehr als sechzig Werke – von kleinen A-cappella-Sätzen bis zu den großen Oratorien Paulus und Elias – zeigen, wie selbstverständlich er sich in diesem Bereich bewegte. Seine religiöse Prägung begann früh: Nachdem die Familie 1816 zum Christentum übergetreten war, wuchs Mendelssohn in der protestantischen Musikkultur Berlins auf. Dort lernte er bei Carl Friedrich Zelter, dem Leiter der Berliner Singakademie, der sich mit Leidenschaft für die Wiederentdeckung der alten Meister einsetzte. Vor allem Bach und Händel galten ihm als Vorbilder für eine klare, ideale Kirchenmusik – ein ästhetisches Fundament, das Mendelssohns eigenes Schaffen nachhaltig prägte. Zu seinen bedeutendsten geistlichen Werken gehört die Vertonung des 42. Psalms „Wie der Hirsch schreit nach frischem Wasser“, die 1837 während seiner Hochzeitsreise mit Cécile Jeanrenaud entstand. Ein Jahr später wurde das Werk in Leipzig uraufgeführt. Mendelssohn war zeitlebens tief religiös, und die Psalm-Texte der Bibel inspirierten ihn immer wieder zu intensiven musikalischen Auseinandersetzungen. Die Kantate op. 42 zählt zu seinen eindrucksvollsten Beiträgen zu diesem Genre und verbindet persönliche Frömmigkeit mit kompositorischer Meisterschaft. Seinen Psalm 42 „Wie der Hirsch schreit nach frischem Wasser“ gliedert er in acht Abschnitte, in denen Chor, Arien und Rezitative einander abwechseln. Er vertont nicht in tonmalerischer Weise den Hirsch, der nach Wasser schreit, sondern beschreibt im Kopfsatz („Lento e sostenuto“) eher eine Seele, die ihren Frieden schon gefunden hat. Nicht die dramatische Seite des Textes wird umgesetzt, sondern die inneren Konflikte des gläubigen Individuums, die letztlich zu diesem großen Vertrauen führen. Auf den ruhigen Einleitungssatz folgt eine Sopranarie („Meine Seele dürstet nach Gott“); der Frauenchor, der in Nr. 3 hinzutritt, verschafft zwar Hoffnung („Denn ich wollte gern hingehen“), aber nicht einmal die Zusicherung in Nr. 4 („Was betrübst du dich, meine Seele“) kann die Seele trösten, die im Rezitativ Nr. 5 wieder in Depression versinkt („Mein Gott, betrübt ist meine Seele in mir“). Den entscheidenden Wendepunkt stellt erst das darauf folgende Quintett dar, wohl das fesselndste Stück des Psalms. Der homophone Männerstimmensatz („Der Herr hat des Tages verheißen seine Güte“) zeigt das unerschütterliche Gottvertrauen. Ein monumentaler Chor, der den Ruf „Harre auf Gott“ aus Nr. 4 wieder aufgreift und in das Gotteslob „Preis sei dem Herrn“ mündet, schließt das Werk ab.
(Spieldauer: ca. 25 Min.)
Christoph Prasser

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Letzte Aktualisierung: 03.02.2026 21:01 Uhr     © 2026 Theatergemeinde BONN | Bonner Talweg 10 | 53113 Bonn